Probleme mit Exchange 2003 nach Migration auf Windows Server 2008 R2 Active Directory?

Laut Exchange Server Supportability Matrix wird der Betrieb von Exchange 2003 in einem Active Directory auf Basis von Windows Server 2008 R2 offiziell unterstützt. Trotzdem finden sich einige Beiträge im Internet, die von Problemen mit Exchange nach erfolgter Migration der Domänencontroller auf 2008 R2 berichten. So wird im Artikel Exchange 2003 SP2 on 2008 R2 domain? Not so fast beschrieben, dass nach dem Upgrade keine Mailboxen mehr erstellt werden konnten und eine Migration auf Exchange 2010 erforderlich war.

Da ich vor einer ähnlichen Migration stehe, habe ich das in einer kleinen Testumgebung mal durchgespielt und dabei nach jedem einzelnen Schritt auf Probleme im Zusammenhang mit Exchange geachtet. Die Testumgebung besteht aus dem Windows Server 2003 Domänencontroller DC01 und dem Exchange Server 2003 EX01.

Schritt 1: Gesamtstruktur- und Domänenvorbereitung mit adprep32.exe

Auf DC01 werden mittels adprep32.exe /forestprep und adprep32.exe /domainprep /gpprep Gesamtstruktur und Domäne für 2008 R2 vorbereitet. Dabei wird das Schema auf Version 47 aktualisiert. Eine detaillierte Beschreibung gibt es auf Yusufs Directory Blog: Den ersten Windows Server 2008 DC zu einer Windows 2000/2003/R2 Gesamtstruktur hinzufügen.

Ergebnis: Keine anschließenden Probleme mit Exchange.

Schritt 2: Hinzufügen eines Windows Server 2008 R2 Domänencontrollers

Da der bestehende Domänencontroller nicht durch ein Inplace-Update auf 2008 R2 aktualisiert werden kann, wird ein zusätzlicher Server (DC02) mit 2008 R2 installiert und mittels dcpromo zum Domänencontroller hochgestuft.

Ergebnis: Keine Probleme. Der neue Domänencontroller wird von Exchange zudem erfolgreich als Global Catalog verwendet.

Schritt 3: Transfer der FSMO-Rollen von DC01 nach DC02

Bevor DC01 zum Memberserver heruntergestuft werden kann, sollten die FSMO-Rollen über die entsprechenden Snap-Ins der MMC oder mittels ntdsutil.exe auf DC02 verschoben werden. Zwar kann dcpromo das bei der Herabstuftung von DC01 auch automatisch durchführen, ausprobiert habe ich das aber noch nicht. Auch von Yusuf genau dokumentiert: Die FSMO-Rollen verschieben.

Ergebnis: Keine Probleme.

Schritt 3: Herabstufen von DC01 zum Memberserver

Nach dem Transfer der FSMO-Rollen kann DC01 heruntergestuft und damit die Active Directory-Dienste vom Server entfernt werden. Im Active Directory der Testumgebung existieren damit keine Domänencontroller mehr auf Basis von Windows Server 2003.

Ergebnis: Probleme! Wie im oben genannten Artikel beschrieben, werden Mailboxen beim Anlegen eines neuen Benutzers nicht erstellt und keine Mailadressen mehr generiert. Bei der Angabe des entsprechenden Benutzers in Outlook erscheint die Meldung, dass der Benutzer in der Adressliste nicht existiert. Wie kommt es dazu?

Eine lebenswichtige Komponente zwischen Exchange 2003 und dem Active Directory ist der Recipient Update Service (RUS). Der auf Deutsch genannte „Empfängeraktualisierungsdienst“ versieht z.B. Objekte mit Mailadressen, wenn diese bislang noch keine hatten bzw. neu angelegt wurden. Damit das funktioniert, benötigt der RUS eine funktionierende Verbindung zum Active Directory.

Standardmäßig werden bei der Installation von Exchange zwei RUS-Einträge erstellt: Der Enterprise RUS für die allgemeine Aktualisierung der Exchange Systemobjekte und der Domain RUS für die Aktualisierung der Empfänger einer Domäne. Beide Einträge verweisen auf einen Domänencontroller. Ist dieser, wie nach dem Herunterstufen von DC01, nicht mehr verfügbar, kann der RUS keine Verbindung zum Active Directory mehr herstellen und es kommt zu den geschilderten Problemen.

Glücklicherweise ist es ein Leichtes, im Exchange System Manager den Domänencontroller zu ändern oder, falls mehrere DC verfügbar sind, zusätzliche RUS-Einträge vorzunehmen. Unmittelbar nach Ersetzen von DC01 durch DC02 wurden die fehlenden Adressen generiert und die Mailboxen erstellt.

Stellt sich jetzt noch eine Frage: Welche Folgen hat das Heraufstufen der Funktionebenen auf 2008 R2?

Schritt 4: Anheben der Funktionsebenen auf Windows Server 2008 R2

Nachdem keine Domänencontroller mit Windows Server 2003 mehr existieren, können die Funktionsebenen von Gesamtstruktur und Domäne in den entsprechenden Snap-Ins auf Windows Server 2008 R2 angehoben werden.

Ergebnis: Keine Probleme!

Es bleibt also festzuhalten: Ein explizites Problem mit Exchange 2003 in Verbindung mit Windows Server 2008 R2 Active Directory gibt es nicht. Bei einer entsprechenden Migration sollte man allerdings die Abhängigkeit des RUS nicht aus den Augen verlieren.

Generell zum Thema empfehlenswert sind übrigens der Artikel W2K3 to W2K8 and W2K8R2 Active Directory Upgrade Considerations von Glenn LeCheminant und das OpenBook Windows Server 2008 R2 von Galileo Computing.

0 Responses to “Probleme mit Exchange 2003 nach Migration auf Windows Server 2008 R2 Active Directory?”



  1. Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: